25 Jahre Srebrenica – Die Schande dauert an

„Die Erinnerungen an Srebrenica sind geprägt von Unrecht und unendlichem Leid, die bis heute andauern“, so der Vorsitzende der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), Kemal Ergün, anlässlich des 25. Jahrestages des Massakers von Srebrenica. Ergün weiter:

„Die Erinnerungen an das Massaker von Srebrenica sind geprägt von einem Verbrechen, der einen Tiefpunkt unserer Zeit zeichnet; sie sind geprägt von Unrecht und unendlichem Leid. Alle unsere Gedanken sind bei all jenen Menschen, denen Leid zugefügt wurde. Möge Allah den Seelen der verstobenen gnädig sein und ihren Hinterbliebenen weiterhin Kraft und Geduld geben.

Die Schande von Srebrenica hat nicht geendet vor 25 Jahren. Sie dauert an, weil viele Verbrecher nach wie vor nicht ihrer gerechten Strafe zugeführt wurden, viele nicht einmal zur Verantwortung gezogen wurden. Sie dauert an, weil heute noch Menschen auf der Suche nach den Überesten ihrer Kinder, Ehefrauen und Ehemänner sind, um sie bestatten zu können – und immer noch neue Gräber mit sterblichen Überresten von Ermordeten entdeckt werden.

Die Schande von Srebrenica dauert aber auch deshalb an, weil allen voran Europa offensichtlich nicht in der Lage ist – vielleicht auch nicht willens -, eine gebührende Erinnerungskultur an diesen Völkermord zu etablieren. Ein Völkermord, der sich gerade erst 25 Jahren vor den Augen der Vereinten Nationen und der Weltöffentlichkeit mitten in Europa vollzogen hat und zum Inbegriff für das kollektive Versagen geworden ist. Leider findet sie zu wenig Beachtung.

Es wäre das Mindeste, sich mit Nachdruck um Versöhnung zu bemühen, sich der eigenen Verantwortung an diesen Verbrechen immer wieder bewusst zu werden, die Erinnerung daran wachzuhalten – mit gebührender Demut und als Mahnung für die Zukunft.“

Kurban spenden, bewusst teilen

Verehrte Muslime!

Unser Lebensziel ist es, das Wohlgefallen Allahs zu erlangen und ihm nahe zu sein. Unsere Ibâdas sind ein Mittel hierzu. Eine dieser Ibâdas ist der Kurban, was wörtlich „sich nähern“ bedeutet. Im Koran heißt es, dass Allah uns Menschen näher ist als unsere Halsschlagader. Wir Menschen müssen jedoch nach Mitteln und Wegen suchen, um Allah nahe zu kommen. Der Kurban ist einer dieser Wege. In einem Koranvers heißt es: „Weder ihr Fleisch noch ihr Blut erreicht Allah, jedoch erreicht ihn eure Frömmigkeit.“[1]

Die Prüfung des Propheten Ibrâhîm (a) bestand darin, dass er seinen Sohn Ismâîl (a) als Opfer darbringen sollte. Er akzeptierte den göttlichen Willen und war bereit dazu, seinen einzigen Sohn zu opfern. Gleichzeitig bestand sein Sohn Ismâîl (a) eine Prüfung, indem er sich Allah hingab. Beide wurden dafür mit dem Beinamen Halîlullâh, also „Freund Allahs“, ausgezeichnet, über die es im Koran heißt: „Wisset, dass über Allahs Freunde keine Furcht kommt und dass sie nicht traurig sein werden. Diejenigen, welche glauben und gottesfürchtig sind, ihnen gilt die frohe Botschaft im irdischen Leben und im Jenseits. Allahs Verheißungen sind unabänderlich. Das ist die große Glückseligkeit!“[2]

Liebe Geschwister!

Kurban bedeutet, zu teilen und Allah näher zu kommen. Denn das Teilen mit Armen und Bedürftigen ist eine wichtige Tugend im Islam.
Sie ist so wichtig, dass wer keinen materiellen Besitz zum Teilen hat, durch das freundliche Grüßen seiner Mitmenschen oder ein Lächeln an dieser Tugend teilhaben kann. Unser Prophet hat die Muslime stets dazu ermutigt. In folgendem Hadith erfahren wir, welche Weisheit hinter dem Kurban steckt: „Eines Tages fragte der Prophet seine Ehefrau Aischa (r), was von der Opfergabe übriggeblieben sei. Aischa (r) antwortete, dass sie die gesamte Opfergabe gespendet habe und nur ein Schulterblatt übriggeblieben sei. Daraufhin sagte der Prophet: „Nein, ganz im Gegenteil. Außer dem Schulterblatt ist alles übriggeblieben.“[3]

Nicht das Sichtbare, also das Fleisch und Blut, sondern die Gottesfurcht, also Takwâ, wird beim Kurban Allah dargeboten. Den Kurban mit den Bedürftigen zu teilen, ist Teil der Gottesfurcht und an sich bereits eine Ibâda. Das Teilen stärkt die Geschwisterlichkeit unter den Muslimen und bringt dem Spender Freude und die Duâs der Empfänger.

Verehrte Muslime!

Die Hasene Kurban-Kampagne mit dem Motto „Kurban spenden, bewusst teilen“ erreicht weltweit Millionen Bedürftige in Dutzenden Ländern. Auch wir können spenden und damit Armen, Bedürftigen, Waisen und notleidenden Menschen weltweit unsere helfende Hand reichen. Vergessen wir nicht, dass es ein Ausdruck von Geschwisterlichkeit ist, das zu teilen, was wir besitzen. Möge Allah unseren Geschwistern helfen und uns alle beschützen. Âmîn.

[1] Sure Hadsch, 22:37
[2] Sure Yûnus, 10:62-64
[3] Tirmizî, Sifat al-Kiyâma, Hadith Nr. 2658

Hutba: Die Rechte unserer Kinder

Verehrte Muslime!

Unsere Kinder sind ein Segen für uns. Wer diese göttliche Gabe nicht als Segen erkennt oder sie ignoriert, wird eine große Enttäuschung erleben. Gleichzeitig sind Allahs Gaben auch eine Prüfung. Wer sie besteht, wird sowohl im Diesseits als auch im Jenseits Glückseligkeit erlangen. Im Koran heißt es: „Und wisset, dass euer Besitz und eure Kinder nur eine Prüfung sind, aber großer Lohn bei Allah ist.“[1] Wer das erkannt hat, wird sich bemühen, um diesen Lohn zu erhalten.

Liebe Geschwister!

Mimbar Deckenleuchten

Als Eltern haben wir bestimmte Rechte und Pflichten gegenüber unseren Kindern. Wir sorgen für ihren Halal-Lebensunterhalt, wir ernähren und kleiden sie anständig. Dabei ist wichtig, dass wir in diesen Dingen genauso sensibel sind wie bei uns selbst. Denn Allah wird uns auch in diesen Angelegenheiten zur Rechenschafft ziehen. Im Koran heißt es: „An diesem Tage werdet ihr dann gefragt werden, was ihr aus den Gaben des Lebens gemacht habt.“[2]

Außerdem sind wir auch verantwortlich für die Erziehung unserer Kinder. Unser Prophet sagte: „Das wertvollste Geschenk, das ein Vater seinem Kind machen kann, ist eine gute Erziehung.“[3]

Verehrte Muslime!

Unsere Kinder haben also das Recht auf einen angemessenen Lebensunterhalt und eine gute Erziehung. So können wir gewährleisten, dass sie als Muslime heranwachsen. Dazu gehört auch, dass wir ihnen schon in jungen Jahren den Glauben an Allah vermitteln und sie dabei unterstützen, Gutes zu tun, Schlechtes zu vermeiden und Takwâ zu erlangen. Auch ist es wichtig, dass sie sich als wertvollen Teil der muslimischen Gemeinschaft verstehen und ihren Beitrag dazu leisten.

Liebe Geschwister!

Um all das unseren Kindern in bester Weise zu vermitteln, ist es notwendig, dass wir selbst als Teil der Gemeinschaft und der Moscheen aktiv sind. Die Moschee, in der wir uns gerade befinden, bietet uns eine Möglichkeit dazu.

Zum Beispiel ist es wichtig, dass unsere Kinder am Islam- und Koranunterricht in der Moschee teilnehmen. Auch wenn uns das manchmal schwerfällt, weil etwa der Weg zur Moschee zu weit ist, müssen wir diese Angelegenheit ernst nehmen, damit unsere Kinder eine gute islamische Erziehung erhalten. Wenn wir das schaffen, wird Allah mit unseren Kindern und uns zufrieden sein – inschallah.

[1] Sure Anfâl, 8:28
[2] Sure Takâsur, 102:8
[3] Tirmizî, Bir, 33

Hutba: Die Familie schätzen

Verehrte Muslime!

Im Koran heißt es: „Zu seinen Zeichen gehört auch, dass er euch Partner aus euch selbst schuf, damit ihr bei ihnen ruht. Und er hat zwischen euch Liebe und Barmherzigkeit gesetzt. Darin sind gewiss Zeichen für nachdenkliche Leute.“[1] Um ein friedliches und glückliches Familienleben zu führen bedarf es gegenseitige Liebe und Barmherzigkeit. Fehlt diese, kommt es leider oft zu Scheidungen. Die Scheidung eines Ehepaares wird – sofern keine schwerwiegenden Gründe vorliegen – im Islam nicht gern gesehen.

Unser Prophet ﷺ sagte: „Von den erlaubten Sachen ist die Scheidung die am meisten verachtete bei Allah.“[2] Wer heiraten möchte, dem rät er Folgendes: „Heiratet, aber scheidet euch nicht. Allah liebt keine Männer und Frauen, die zum Vergnügen heiraten und sich wieder scheiden lassen.“[3]

Liebe Geschwister!

Unsere Religion fordert Verheiratete dazu auf, gut mit ihren Partnern umzugehen. Sie sollen sich auf deren gute Seiten konzentrieren, anstatt auf ihre Schwächen zu blicken. Selbst wenn sie eine Schwäche bei ihren Partnern erkennen, könnte diese etwas Gutes mit sich bringen. Im Koran heißt es: „Geht in rechtlicher Weise mit ihnen (euren Ehegattinnen) um. Wenn sie euch zuwider sind, so ist euch vielleicht etwas zuwider, während Allah viel Gutes in es hineinlegt.“[4]

Die Familie ist der Grundstein einer Gesellschaft. Oft spielen Werteverlust, Kulturunterschiede, Egoismus, Respektlosigkeit sowie Verantwortungslosigkeit eine große Rolle, wenn es zur Scheidung kommt.
Manchmal sind es auch finanzielle Engpässe, häusliche Gewalt, fehlende familiäre Kommunikation sowie eine Neigung zu Luxus und Verschwendung, die negativ auf den Familienfrieden wirken. Gleichzeitig werden Ehe und Familie besonders durch die Medien als altmodisch dargestellt. Besonders Filme und Serien werben geradezu für Scheidung und Untreue, Menschen werden geradezu zu Scheidung und Partnerlosigkeit ermutigt.

Verehrte Muslime!

Im Interesse einer intakten Gesellschaft ist es wichtig, das Ehe- und Familienkonzept auf eine stabile Grundlage zu stellen. Für eine gute Ehe ist neben der Bildung der Ehepartner auch gegenseitiges Verständnis und Opferbereitschaft erforderlich. Jeder Muslim sollte wissen, was das Ehe- und Familienleben aus islamischer Sicht mit sich bringen. Dieses Wissen sollte genauso wie Kenntnisse über das Gebet, die Gebetswaschung und das Fasten verinnerlicht werden. Die Scheidung der Eltern schlägt bei vielen Kindern tiefe Wunden, die eine Gesellschaft nur schwer heilen kann.

Liebe Geschwister!

Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Ehepartner, die wir im Namen Allahs geheiratet haben, und unsere Kinder, die uns anvertraut wurden, ein großer Segen für uns sind.  Es ist unsere Aufgabe, uns mit unseren Ehepartnern und Kindern zusammenzuschließen und diesen Segen gemeinsam zu pflegen und wertzuschätzen. Ich möchte die Hutba mit einem Duâ aus dem Koran beenden: „O unser Erhalter! Gib uns an unseren Frauen und Nachkommen einen Anlass zur Freude und mache uns zu Vorbildern für die Gottesfürchtigen!“[5]

Möge Allah unsere Umma und unsere Gemeinschaft vor familiärer Trennung und Zwietracht schützen. Möge die Einheit in unserem Eheleben fortbestehen. Âmîn

[1] Sure Rûm, 30:21
[2] Abû Dâwûd, Talâk, 3
[3] Musnad Bazzâr, 8/70, Hadith Nr. 3064
[4] Sure Nisâ, 4:19
[5] Sure Furkân, 25:74

Hutba: Ibâda und Ubûdiyya – Gottesdienst und Dienerschaft

Verehrte Muslime!

Der Mensch ist das einzige Geschöpf, das sich mit dem Sinn seiner irdischen Existenz beschäftigt und nach Antworten sucht. Dieses Bemühen macht ihn zu etwas Besonderem. Im Koran heißt es dazu: „Die Dschinn und die Menschen habe ich nur dazu erschaffen, dass sie mir dienen.“[1]

Liebe Geschwister!

Im Islam haben die Begriffe „Ibâda“ und „Ubudiyya“, also Gottesdienst und Dienerschaft, eine wichtige Bedeutung. „Dienerschaft“ bedeutet hier, dass der Mensch sich seiner Bedürftigkeit gegenüber dem Schöpfer stets bewusst ist. Während für die gottesdienstlichen Handlungen bestimmte Zeiten vorgesehen sind, ist Ubûdiyya ein Zustand, der das gesamte irdische Leben über andauert. Für einen gläubigen Muslim bilden Ibâda und Ubûdiyya eine untrennbare Einheit. Im Koran heißt es: „O ihr, die ihr glaubt! Beugt euch und werft euch nieder und dient eurem Erhalter und tut Gutes, damit es euch wohl ergeht.“[2]

Verehrte Muslime!

Der Prophetengefährte Muâz bin Dschabal (r) berichtet: „Ich ritt auf einem Esel hinter dem Propheten, als er mich fragte: „O Muâz! Weißt du, welches Recht Allah gegenüber seinem Diener hat und welches Recht seine Diener gegenüber Allah haben?“ Ich sagte: „Allah und sein Gesandter wissen es besser.”
 Er sagte: „Allahs Recht ist, dass sie ihn allein anbeten sollen und ihm nichts beigesellen; und das Recht der Diener ist, dass er diejenigen, die ihm nichts beigesellen, nicht strafen soll.“[3] Daraus geht hervor, dass nur Allah Ubûdiyya, also Dienerschaft, gebührt, wie wir es in jedem Gebet in der Sure Fâtiha bezeugen: Nur ihm allein dienen und ihn allein beten wir an. Die Dienerschaft gegenüber dem „Mâlik-al-Mulk“, also dem Eigentümer aller Reichtümer, gibt dem Menschen wahre Freiheit, denn sie befreit ihn von der Abhängigkeit von allem anderen.

Liebe Geschwister!

Unsere Dienerschaft gegenüber Allah wird uns sowohl im Diesseits als auch im Jenseits Ehre und Würde verleihen. Ein wahrhaftig gläubiger Muslim, der in seinem Îmân gegenüber Allah aufrichtig ist, wird die Ibâdas niemals als eine Last sehen. Im Gegenteil: Er wird ihn mit Pflichtbewusstsein, Liebe und Begeisterung erfüllen. Die Aussage des Propheten „Das Gebet ist für mich Augentrost“[4] drückt die Freude aus, die er dabei erlebt.

Möge Allah uns ein Bewusstsein für die Dienerschaft und wahre Freude an den Ibâdas zuteilwerden lassen. Mögen wir zu jenen gehören, die ihm mit Liebe und Begeisterung dienen. Âmîn.

[1] Sure Zâriyât, 51:56
[2] Sure Hadsch, 22:77
[3] Buhârî, Dschihad, 46; Muslim, Îmân, 48
[4] Nasâî, Ischat an-Nisâ, 1

Hutba: Hidschab

Verehrte Muslime!

In Sure Tîn heißt es, dass Allah den Menschen in schönster Gestalt erschaffen hat. Mit Gestalt ist auch das Äußere gemeint, um das sich wir Mensch zu kümmern haben, genauso wie wir Verantwortung für unsere Handlungen tragen. Auch soll der Mensch nach innerer Schönheit streben. Diese Schönheit der Seele und des Herzens unterscheidet uns von allen anderen Geschöpfen.

Liebe Geschwister!

Zu den Dingen, die den Charakter eines Menschen verschönern, gehören Anstand und maßvolles Verhalten, sei es beim Essen und Trinken oder in anderen Lebensbereichen wie der Sexualität. Wer seine Triebe und sein körperliches Verlangen unter Kontrolle hat, der kann einen Zustand des reinen Herzens erreichen. Unser Prophet sagte: „Wer mir verspricht, seine Zunge und seine niederen Bedürfnisse zu hüten, dem verspreche ich meine Bürgschaft für das Paradies.“[1] Anstand ist außerdem mit Hayâ, also der Schamhaftigkeit, verbunden. Diese hängt wiederum mit dem Îmân zusammen. In einem Hadith heißt es: „Jede Religion hat einen eigenen Charakter. Der Charakter des Islams ist die Schamhaftigkeit.“[2]

Verehrte Muslime!

Unsere Umgebung hinterlässt gute aber auch schlechte Eindrücke in unserer Seele. Wenn wir uns vor diesen Eindrücken nicht schützen, verfallen wir innerlich.
Der Hidschâb, also die Bedeckung, ist eine der stärksten Maßnahmen, um unsere Reinheit zu bewahren. Allah spricht diesbezüglich im Koran Männer und Frauen gleichermaßen an: „Sage den gläubigen Männern, dass sie ihre Blicke senken und ihre Keuschheit wahren sollen. Das ist geziemender für sie. Siehe, Allah kennt ihr Tun. Und sage den gläubigen Frauen, dass sie ihre Blicke senken und ihre Keuschheit wahren und ihre Reize nicht zur Schau stellen sollen, außer was (anständigerweise) sichtbar ist.“[3]

Liebe Geschwister!

Nicht das Geschlecht, sondern die Menschlichkeit und der Charakter machen einen Menschen aus. Der Hidschâb betont das, indem er das Geschlecht in den Hintergrund rückt und damit die Persönlichkeit hervorhebt. Im Koran heißt es: „O ihr Kinder Adams! Wir gaben euch Kleidung, eure Blöße zu bedecken, und als Prunkgewänder. Aber das Kleid der Gottesfurcht/Takwâ ist besser. Dies ist eines der Zeichen Allahs, auf dass sie sich ermahnen lasse.“[4]

Als Muslime bemühen wir uns darum, gottesfürchtig zu sein und die Gebote Allahs zu befolgen. Mögen Allah uns zu jenen zählen, die Anstand und Reinheit besitzen, dem Gebot des Hidschâbs wahrhaftig folgen und das „Kleid der Gottesfurcht“ tragen.

[1] Buhârî, Ḥudûd, 19, Hadith Nr. 6807
[2] Mâlik, Muwaṭṭa, Ḥusn al-Huluk, 9
[3] Sure Nûr, 24:30-31
[4] Sure A’râf, 7:26

Hutba – Was die Familie zusammenhält: Liebe und Barmherzigkeit

Verehrte Muslime,

eine Familie ist eine Gemeinschaft, bestehend aus Mann und Frau, die durch die Heirat miteinander verbunden sind und deren Kindern. Aber auch die Großeltern gehören zur Familie. Die Gefühle und das Bedürfnis, das Mann und Frau füreinander empfinden, entsprechen der von Allah geschaffenen Natur des Menschen. Doch genauso unterliegt die Befriedigung dieser Bedürfnisse den von Allah aufgestellten Prinzipien und ist nur in einer der Sunna entsprechenden Ehe möglich. Jede Form der Ehe oder Beziehung, die nicht in Einklang mit der Sunna steht, ist den Muslimen verboten. Wie in folgendem Vers hingewiesen wird, dient das Eheleben der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse und ist eine Quelle des Glücks: Zu Seinen Zeichen gehört auch, dass Er euch Gattinnen aus euch selbst schuf, damit ihr bei ihnen ruht. Und Er hat zwischen euch Liebe und Barmherzigkeit gesetzt. Darin sind fürwahr Zeichen für nachdenkliche Leute.“ [30:21] Ebenso ist das Familienleben erforderlich, um eine gesunde Entwicklung der kommenden Generation zu gewährleisten.

Verehrte Geschwister,

um zu den Ergebnissen zu gelangen, die von der Familie erwartet werden, muss sie am Leben erhalten werden. Das, was die Familie vor dem Zerfall bewahrt, ist, gemäß dem eben zitierten Vers „Liebe und Barmherzigkeit“. „Liebe“ ist die Kraft, durch die sich die Eheleute zueinander hingezogen fühlen, also das Verlangen des Mannes nach der Frau und umgekehrt. Unter „Barmherzigkeit“ verstehen wir die Eigenschaft, die Nachsicht und Zuneigung unter den Eheleuten fördert. Das fortwährende Bestehen der Ehe hängt von diesen beiden Faktoren ab.

Verehrte Muslime,

damit die Liebe und Barmherzigkeit nicht verloren gehen, müssen folgende Punkte beachtet werden. Die Eheleute müssen sich stets gut behandeln und darauf achten, den anderen nicht zu verletzten. Sie müssen sich gutmütig verhalten, sich begrüßen, wenn sie nach Hause kommen und sich nach dem Befinden des Partners erkundigen. Was das häusliche Leben angeht, müssen sie sich unterstützen. Unser Prophet hat uns diesbezüglich folgenden Rat gegeben: „Der beste der Muslime ist derjenige, der seinen Ehepartner am besten behandelt und ihm am nützlichsten ist.“ (Nasâî) Es ist sehr traurig, wenn eine Ehe aufgrund kleiner Schwierigkeiten aufgelöst wird.

Verehrte Geschwister,

eines der Probleme unserer Zeit sind die Umstände, die die Institution Familie zum Zerfall führen. Es muss leider festgestellt werden, dass sich der Gedanke, dass eine Gesellschaft auch ohne gesunde Familienstrukturen bestehen kann, auch auf unsere Familien ausgewirkt hat. So kommt es aus den simpelsten Gründen zu Scheidungen vor allem junger Paare, wobei die Kinder meist die Leidtragenden sind. Dabei hat der Gesandte Gottes folgendermaßen vor der Auflösung der Ehe gewarnt: „Diejenige Ehefrau, die ohne einen triftigen Grund die Scheidung verlangt, wird nicht mal den Geruch des Paradieses vernehmen, obwohl der Geruch des Paradieses aus einer Entfernung vernommen werden kann, die einer Reise von vierzig Jahren entspricht.“ (Kutub-i Sitta, 6597) Auch wenn in diesem Hadîth nur von der Ehefrau gesprochen wird, ist dieser Umstand auch für den Ehemann gültig. Denn die Scheidung ist etwas, was im Islam äußert unerwünscht ist. So wird vom Prophet überliefert, er habe gesagt: „Das bei Allah Schlimmste unter den erlaubten Dingen ist die Scheidung.“ (Abû Dâwûd, Talâk, 3) Aus diesem Grund wird im folgenden Vers empfohlen, einen Schiedsrichter aus den Reihen der Verwandten zu ernennen, wenn ein Problem nicht in der Familie gelöst werden kann: Und wenn ihr einen Bruch zwischen beiden befürchtet, dann ernennt einen Schiedsrichter von ihrer Familie und einen Schiedsrichter von seiner Familie. Wollen sie sich aussöhnen, wird Allah Frieden zwischen ihnen stiften. Siehe, Allah ist wissend und weise.“ [4:35] Die Ehe ist nämlich kein Spiel, das man mal eben unterbrechen könnte. Unser Wunsch ist es, dass all unseren Geschwistern ein glückliches und harmonisches Eheleben beschert werde.

Hutba – Die Bedeutung der Familie und der Familientag

Verehrte Brüder und Schwestern,

Unser Herr, der alles vollkommen und harmonisch in Paaren erschaffen hat, hat auch die Menschen als Mann und Frau in einer besonderen Harmonie erschaffen. Er sieht es gerne, wenn sie eine Familie gründen, die auf Liebe und Barmherzigkeit basiert.

Unser Herr weist auf den Sinn und Zweck der Familiengründung im Koran wie folgt hin:

Zu Seinen Zeichen gehört auch, dass Er euch Gattinnen aus euch selbst schuf, damit ihr bei ihnen ruht. Und Er hat zwischen euch Liebe und Barmherzigkeit gesetzt. Darin sind fürwahr Zeichen für nachdenkliche Leute.“ (Rum 21)

Aus diesem Vers erkennen wir die Wichtigkeit der Familie und sehen, dass unser Herr die Frau und den Mann zu den wichtigsten Grundsteinen der Familien macht. Außerdem verpflichtet Er uns dazu, die Frau, die eine wichtige Rolle in der der Familie spielt, zu beschützen.

Aber bedauerlicherweise tauchen mit der Zeit sowohl in muslimischen Kreisen als auch in den nicht muslimischen Gesellschaften Probleme und Entgleisungen in den Familien auf. Weiterhin führten ungerechte Praktiken und skrupellose Kriege zur Ausweichungen der Gerechtigkeit. Durch Drogen, Alkohol, Glücksspiele und Prostitution kamen die Familien zu Schaden, verloren ihre moralischen Werte und degenerierten.

Heute besteht deshalb die Notwendigkeit, diese Werte wieder zu beleben und die Familien wieder zu stabilisieren.

Liebe Geschwister!

Wir erleben täglich, dass wichtige gesellschaftliche Werte und Belange in Vergessenheit geraten. Eines dieser Werte ist die Familie. Somit ist es heute zu einer der wichtigsten Probleme der Menschen geworden. Denn in der Wurzel sozialer Probleme liegen meist die geschwächten Familienverhältnissen. Es ist nicht möglich mit schwachen Familienstrukturen die Gesellschaft zusammen zu halten.

Verehrte Muslime!

Unsere Organisation erbringt den Muslimen gegenüber in vielen Bereichen Dienste. Deshalb veranstaltet sie auch für den Wohlstand der Familie und zur Stärkung ihrer Fundamente den Familientag unter dem Motto „Wir sind eine Familie“. Dieser Tag soll dazu dienen, die Probleme zwischen den Familien zu lösen.

Dieses Jahr findet der Familientag am 14/15. Mai am Hauptsitz der IGMG in Kerpen statt.

Es werden verschieden Attraktionen für Kinder und Erwachsene in mehreren Zelten angeboten. Der Familientag bietet allen Altersgruppen zwischen 7 und 70 Jahren altersgerechte Aktivitäten an.

Es wird Ausstellungen, Diskussionsrunden, Beratungsstellen für Familien und Familienseminare geben.

Weiterhin wird es auch Informationsstände der IGMG geben, an denen sich Gäste und Mitglieder über unsere Arbeit informieren können. Wir laden alle Brüder und Schwestern zum Familientag mit ihren Kinder, Bekannten und Verwandten ein.

An dieser Stelle möchte ich die Hutba mit einem Hadis beenden: „Einer der Rechte die ein Muslim einem anderen Muslim zu gewähren hat, ist die Teilnahme an die Einladungen seines/r Bruders/Schwester.“ (et Tac 5/16)