25 Jahre Srebrenica – Die Schande dauert an

„Die Erinnerungen an Srebrenica sind geprägt von Unrecht und unendlichem Leid, die bis heute andauern“, so der Vorsitzende der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), Kemal Ergün, anlässlich des 25. Jahrestages des Massakers von Srebrenica. Ergün weiter:

„Die Erinnerungen an das Massaker von Srebrenica sind geprägt von einem Verbrechen, der einen Tiefpunkt unserer Zeit zeichnet; sie sind geprägt von Unrecht und unendlichem Leid. Alle unsere Gedanken sind bei all jenen Menschen, denen Leid zugefügt wurde. Möge Allah den Seelen der verstobenen gnädig sein und ihren Hinterbliebenen weiterhin Kraft und Geduld geben.

Die Schande von Srebrenica hat nicht geendet vor 25 Jahren. Sie dauert an, weil viele Verbrecher nach wie vor nicht ihrer gerechten Strafe zugeführt wurden, viele nicht einmal zur Verantwortung gezogen wurden. Sie dauert an, weil heute noch Menschen auf der Suche nach den Überesten ihrer Kinder, Ehefrauen und Ehemänner sind, um sie bestatten zu können – und immer noch neue Gräber mit sterblichen Überresten von Ermordeten entdeckt werden.

Die Schande von Srebrenica dauert aber auch deshalb an, weil allen voran Europa offensichtlich nicht in der Lage ist – vielleicht auch nicht willens -, eine gebührende Erinnerungskultur an diesen Völkermord zu etablieren. Ein Völkermord, der sich gerade erst 25 Jahren vor den Augen der Vereinten Nationen und der Weltöffentlichkeit mitten in Europa vollzogen hat und zum Inbegriff für das kollektive Versagen geworden ist. Leider findet sie zu wenig Beachtung.

Es wäre das Mindeste, sich mit Nachdruck um Versöhnung zu bemühen, sich der eigenen Verantwortung an diesen Verbrechen immer wieder bewusst zu werden, die Erinnerung daran wachzuhalten – mit gebührender Demut und als Mahnung für die Zukunft.“

Kurban spenden, bewusst teilen

Verehrte Muslime!

Unser Lebensziel ist es, das Wohlgefallen Allahs zu erlangen und ihm nahe zu sein. Unsere Ibâdas sind ein Mittel hierzu. Eine dieser Ibâdas ist der Kurban, was wörtlich „sich nähern“ bedeutet. Im Koran heißt es, dass Allah uns Menschen näher ist als unsere Halsschlagader. Wir Menschen müssen jedoch nach Mitteln und Wegen suchen, um Allah nahe zu kommen. Der Kurban ist einer dieser Wege. In einem Koranvers heißt es: „Weder ihr Fleisch noch ihr Blut erreicht Allah, jedoch erreicht ihn eure Frömmigkeit.“[1]

Die Prüfung des Propheten Ibrâhîm (a) bestand darin, dass er seinen Sohn Ismâîl (a) als Opfer darbringen sollte. Er akzeptierte den göttlichen Willen und war bereit dazu, seinen einzigen Sohn zu opfern. Gleichzeitig bestand sein Sohn Ismâîl (a) eine Prüfung, indem er sich Allah hingab. Beide wurden dafür mit dem Beinamen Halîlullâh, also „Freund Allahs“, ausgezeichnet, über die es im Koran heißt: „Wisset, dass über Allahs Freunde keine Furcht kommt und dass sie nicht traurig sein werden. Diejenigen, welche glauben und gottesfürchtig sind, ihnen gilt die frohe Botschaft im irdischen Leben und im Jenseits. Allahs Verheißungen sind unabänderlich. Das ist die große Glückseligkeit!“[2]

Liebe Geschwister!

Kurban bedeutet, zu teilen und Allah näher zu kommen. Denn das Teilen mit Armen und Bedürftigen ist eine wichtige Tugend im Islam.
Sie ist so wichtig, dass wer keinen materiellen Besitz zum Teilen hat, durch das freundliche Grüßen seiner Mitmenschen oder ein Lächeln an dieser Tugend teilhaben kann. Unser Prophet hat die Muslime stets dazu ermutigt. In folgendem Hadith erfahren wir, welche Weisheit hinter dem Kurban steckt: „Eines Tages fragte der Prophet seine Ehefrau Aischa (r), was von der Opfergabe übriggeblieben sei. Aischa (r) antwortete, dass sie die gesamte Opfergabe gespendet habe und nur ein Schulterblatt übriggeblieben sei. Daraufhin sagte der Prophet: „Nein, ganz im Gegenteil. Außer dem Schulterblatt ist alles übriggeblieben.“[3]

Nicht das Sichtbare, also das Fleisch und Blut, sondern die Gottesfurcht, also Takwâ, wird beim Kurban Allah dargeboten. Den Kurban mit den Bedürftigen zu teilen, ist Teil der Gottesfurcht und an sich bereits eine Ibâda. Das Teilen stärkt die Geschwisterlichkeit unter den Muslimen und bringt dem Spender Freude und die Duâs der Empfänger.

Verehrte Muslime!

Die Hasene Kurban-Kampagne mit dem Motto „Kurban spenden, bewusst teilen“ erreicht weltweit Millionen Bedürftige in Dutzenden Ländern. Auch wir können spenden und damit Armen, Bedürftigen, Waisen und notleidenden Menschen weltweit unsere helfende Hand reichen. Vergessen wir nicht, dass es ein Ausdruck von Geschwisterlichkeit ist, das zu teilen, was wir besitzen. Möge Allah unseren Geschwistern helfen und uns alle beschützen. Âmîn.

[1] Sure Hadsch, 22:37
[2] Sure Yûnus, 10:62-64
[3] Tirmizî, Sifat al-Kiyâma, Hadith Nr. 2658