Beschuldigungen inakzeptabel, Vorgehen unverhältnismäßig

In den frühen Morgenstunden durchsuchten 150 mit Sturmhauben maskierte Beamte des Landeskriminalamts sowie der Polizei die Räumlichkeiten unserer Moscheegemeinde (Mevlana Moschee e. V.) in Berlin-Kreuzberg. Als Grund wurde der Verdacht auf Betrug von Corona-Subventionen genannt. Durchsucht wurden zeitgleich auch zwei Geschäfte und drei Privatwohnungen, darunter auch die Wohnung unseres Gemeindevorsitzenden. Hierzu erklären wir:


„Den Vorwurf des Betrugs, unser Antrag auf Corona-Soforthilfe sei unberechtigt gewesen, lehnen wir entschieden ab. Offene Fragen bezüglich des Antrags hätten durch eine einfache Nachfrage schnell geklärt werden können. Er hätte auch abgelehnt werden können. Man hätte die Zahlung auch zurückfordern können. Jedoch haben wir nie irgendeine Anfrage von Seiten der Behörden oder der Investitionsband Berlin (IBB) erhalten. Nichts davon ist je geschehen.


Umso bedenklicher ist es, dass stattdessen in den frühen Morgenstunden ca. mehr als 100 vermummte Polizeibeamte zum Teil mit Sturmhauben in die Moschee eingedrungen sind, und zwar während sich die Gemeinde im Morgengebet befand. Die Tür und eine Spendenbox wurden aufgebrochen, obwohl angeboten wurde, diese aufzuschließen. Sechs Stunden lang wurden angebliche Beweismittel sichergestellt.

Sowohl die Beschuldigung der Behörden als auch das Vorgehen der Polizei ist vollkommen inakzeptabel und steht in keinem Verhältnis zu der vorgeworfenen Tat. Einen so engagierten Einsatz der Ermittlungsbehörden hätten wir uns nach dem Brandanschlag im Jahr 2014 auf unsere Moschee gewünscht; dieser wurde noch immer nicht aufgeklärt. Wir werden rechtliche Schritte einleiten.


Die Mevlana Moschee ist eine alteingesessene und durch ihren sozialen Einsatz berlinweit bekannte Gemeinde. Statt sie dafür auszuzeichnen, muss sie sich nun rechtfertigen. Das hat unsere Gemeinde nicht verdient.“


Der Vorstand

Hutba: Unsere Beziehung zum Koran

Verehrte Muslime!

In einem Koranvers heißt es: „O ihr Menschen, zu euch ist eine Ermahnung von eurem Herrn gekommen und eine Heilung für das, was in euren Herzen ist, eine Rechtleitung und Barmherzigkeit für die Gläubigen.“[1] Unser Schöpfer macht hier deutlich, dass der Koran nicht nur an uns, sondern an die gesamte Menschheit gerichtet ist. Der Koran als letzte Botschaft Allahs an uns Menschen ruft uns dazu auf, schlechtes Verhalten und schlechte Eigenschaften abzulegen und Gutes zu tun. Heuchelei, Neid, Gier, Hass und andere Krankheiten des Herzens werden dadurch geheilt. Denn der Koran ist eine Rechtleitung für alle Menschen, die nach der Wahrheit suchen. Gleichzeitig ist er eine Barmherzigkeit für alle Gläubigen und die gesamte Schöpfung.

Liebe Geschwister!

Durch das Lesen, Reflektieren, Verstehen und Umsetzung sowie Vermittlung des Korans an andere baut man eine gesunde Beziehung zum ihm auf. Wie wir alle wissen, begann der Wahy mit den Worten: „Lies! Lies im Namen deines Herrn.“[2] Das impliziert, dass wir zuerst den Koran lesen können, was widerrum bedeutet, dass wir ihn im Original und gemäß den Regeln des Tadschwîd lesen lernen.

Zudem sagte unser Prophet ﷺ: „Der beste unter euch ist, wer den Koran lernt und lehrt“[3] Deshalb empfehlen wir all unseren Geschwistern, die aus welchen Gründen auch immer, den Koran im Original nicht lesen können, unsere Unterrichtsangebote zu nutzen. Vor allem die Suren und Verse, die wir während des Gebets lesen, wie beispielsweise die Sure Fâtiha, sollten wir mit der richtigen Aussprache rezitieren können.

Gemäß einer Überlieferung von Ibn Abbâs (r) hat unser Prophet ﷺ gesagt: „Jemand, in dessen Herzen nichts vom Koran ist, ist wie ein heruntergekommenes Haus.“[4] Natürlich ist es auch wichtig, zu wissen, was man liest.
Deshalb sollten wir neben dem Auswendiglernen von Suren und Versen auch ihre Bedeutung mitlernen. Denn wie es Koran heißt, sind die Koranverse „Klare Zeichen in den Herzen derer, denen das Wissen gegeben wurde. Es gibt keinen, der Unsere Zeichen leugnet außer den Ungerechten.“[5] Der Koran gehört unbedingt in unsere Herzen. Wir können ihm nur gerecht werden, wenn wir ihn verinnerlichen und ihn leben.

Verehrte Muslime!

Es ist sehr wichtig, dass wir den Koran richtig lesen und richtig verstehen. Wir sollten uns immer vergegenwärtigen, dass er an uns persönlich und an die gesamte Menschheit gerichtet ist. Er zeigt uns, wie wir im Diesseits und im Jenseits glückselig sein können. Aber er kann uns nicht berühren und prägen, wenn wir ihn als einen Text lesen, der zu einer bestimmten Zeit an die Menschen auf der Arabischen Halbinsel gerichtet wurde. Auch darf ihn niemand als Werkzeug missbrauchen, um seine Meinung durchzusetzen. Wir lesen den Koran im Bewusstsein, dass er Allahs Worte enthält und uns rechtleitet. ‚Wenn ich mich dem Koran nähere, dann erneuere ich meinen Îmân, und ich lerne, wie ich die Welt und Geschehnisse einzuordnen und zu handeln habe“ – Das ist die Absicht, mit der wir den Koran lesen.

Liebe Geschwister!

In diesem Sinne ist es uns ein wichtiges Anliegen, Möglichkeiten zu schaffen, um unser Verhältnis zum Koran zu reflektieren. Er sollte fester Bestandteil unseres Alltags sein – selbst wenn wir nur ein kleines bisschen lesen, hören und seine Ratschläge befolgen.

Es liegt unserer Gemeinschaft am Herzen, dass die Umma und vor allem die jungen Menschen unserer Umma ihre Beziehung zum Koran verbessern. Aus diesem Grund organisieren wir jedes Jahr einen Koranrezitationswettbewerb.

Möge Allah unsere Herzen mit dem Koran und unser Leben mit seinem Licht erhellen. Âmîn.

[1] Sure Yûnus, 10:57
[2] Sure Alak, 96:1
[3] Buhârî, Fazâil al-Kur’ân, 21
[4] Tirmizî, Fazâil al-Kur’ân, 18
[5] Sure Ankabût, 29:49