Beschuldigungen inakzeptabel, Vorgehen unverhältnismäßig

In den frühen Morgenstunden durchsuchten 150 mit Sturmhauben maskierte Beamte des Landeskriminalamts sowie der Polizei die Räumlichkeiten unserer Moscheegemeinde (Mevlana Moschee e. V.) in Berlin-Kreuzberg. Als Grund wurde der Verdacht auf Betrug von Corona-Subventionen genannt. Durchsucht wurden zeitgleich auch zwei Geschäfte und drei Privatwohnungen, darunter auch die Wohnung unseres Gemeindevorsitzenden. Hierzu erklären wir:


„Den Vorwurf des Betrugs, unser Antrag auf Corona-Soforthilfe sei unberechtigt gewesen, lehnen wir entschieden ab. Offene Fragen bezüglich des Antrags hätten durch eine einfache Nachfrage schnell geklärt werden können. Er hätte auch abgelehnt werden können. Man hätte die Zahlung auch zurückfordern können. Jedoch haben wir nie irgendeine Anfrage von Seiten der Behörden oder der Investitionsband Berlin (IBB) erhalten. Nichts davon ist je geschehen.


Umso bedenklicher ist es, dass stattdessen in den frühen Morgenstunden ca. mehr als 100 vermummte Polizeibeamte zum Teil mit Sturmhauben in die Moschee eingedrungen sind, und zwar während sich die Gemeinde im Morgengebet befand. Die Tür und eine Spendenbox wurden aufgebrochen, obwohl angeboten wurde, diese aufzuschließen. Sechs Stunden lang wurden angebliche Beweismittel sichergestellt.

Sowohl die Beschuldigung der Behörden als auch das Vorgehen der Polizei ist vollkommen inakzeptabel und steht in keinem Verhältnis zu der vorgeworfenen Tat. Einen so engagierten Einsatz der Ermittlungsbehörden hätten wir uns nach dem Brandanschlag im Jahr 2014 auf unsere Moschee gewünscht; dieser wurde noch immer nicht aufgeklärt. Wir werden rechtliche Schritte einleiten.


Die Mevlana Moschee ist eine alteingesessene und durch ihren sozialen Einsatz berlinweit bekannte Gemeinde. Statt sie dafür auszuzeichnen, muss sie sich nun rechtfertigen. Das hat unsere Gemeinde nicht verdient.“


Der Vorstand

Hutba: Unsere Beziehung zum Koran

Verehrte Muslime!

In einem Koranvers heißt es: „O ihr Menschen, zu euch ist eine Ermahnung von eurem Herrn gekommen und eine Heilung für das, was in euren Herzen ist, eine Rechtleitung und Barmherzigkeit für die Gläubigen.“[1] Unser Schöpfer macht hier deutlich, dass der Koran nicht nur an uns, sondern an die gesamte Menschheit gerichtet ist. Der Koran als letzte Botschaft Allahs an uns Menschen ruft uns dazu auf, schlechtes Verhalten und schlechte Eigenschaften abzulegen und Gutes zu tun. Heuchelei, Neid, Gier, Hass und andere Krankheiten des Herzens werden dadurch geheilt. Denn der Koran ist eine Rechtleitung für alle Menschen, die nach der Wahrheit suchen. Gleichzeitig ist er eine Barmherzigkeit für alle Gläubigen und die gesamte Schöpfung.

Liebe Geschwister!

Durch das Lesen, Reflektieren, Verstehen und Umsetzung sowie Vermittlung des Korans an andere baut man eine gesunde Beziehung zum ihm auf. Wie wir alle wissen, begann der Wahy mit den Worten: „Lies! Lies im Namen deines Herrn.“[2] Das impliziert, dass wir zuerst den Koran lesen können, was widerrum bedeutet, dass wir ihn im Original und gemäß den Regeln des Tadschwîd lesen lernen.

Zudem sagte unser Prophet ﷺ: „Der beste unter euch ist, wer den Koran lernt und lehrt“[3] Deshalb empfehlen wir all unseren Geschwistern, die aus welchen Gründen auch immer, den Koran im Original nicht lesen können, unsere Unterrichtsangebote zu nutzen. Vor allem die Suren und Verse, die wir während des Gebets lesen, wie beispielsweise die Sure Fâtiha, sollten wir mit der richtigen Aussprache rezitieren können.

Gemäß einer Überlieferung von Ibn Abbâs (r) hat unser Prophet ﷺ gesagt: „Jemand, in dessen Herzen nichts vom Koran ist, ist wie ein heruntergekommenes Haus.“[4] Natürlich ist es auch wichtig, zu wissen, was man liest.
Deshalb sollten wir neben dem Auswendiglernen von Suren und Versen auch ihre Bedeutung mitlernen. Denn wie es Koran heißt, sind die Koranverse „Klare Zeichen in den Herzen derer, denen das Wissen gegeben wurde. Es gibt keinen, der Unsere Zeichen leugnet außer den Ungerechten.“[5] Der Koran gehört unbedingt in unsere Herzen. Wir können ihm nur gerecht werden, wenn wir ihn verinnerlichen und ihn leben.

Verehrte Muslime!

Es ist sehr wichtig, dass wir den Koran richtig lesen und richtig verstehen. Wir sollten uns immer vergegenwärtigen, dass er an uns persönlich und an die gesamte Menschheit gerichtet ist. Er zeigt uns, wie wir im Diesseits und im Jenseits glückselig sein können. Aber er kann uns nicht berühren und prägen, wenn wir ihn als einen Text lesen, der zu einer bestimmten Zeit an die Menschen auf der Arabischen Halbinsel gerichtet wurde. Auch darf ihn niemand als Werkzeug missbrauchen, um seine Meinung durchzusetzen. Wir lesen den Koran im Bewusstsein, dass er Allahs Worte enthält und uns rechtleitet. ‚Wenn ich mich dem Koran nähere, dann erneuere ich meinen Îmân, und ich lerne, wie ich die Welt und Geschehnisse einzuordnen und zu handeln habe“ – Das ist die Absicht, mit der wir den Koran lesen.

Liebe Geschwister!

In diesem Sinne ist es uns ein wichtiges Anliegen, Möglichkeiten zu schaffen, um unser Verhältnis zum Koran zu reflektieren. Er sollte fester Bestandteil unseres Alltags sein – selbst wenn wir nur ein kleines bisschen lesen, hören und seine Ratschläge befolgen.

Es liegt unserer Gemeinschaft am Herzen, dass die Umma und vor allem die jungen Menschen unserer Umma ihre Beziehung zum Koran verbessern. Aus diesem Grund organisieren wir jedes Jahr einen Koranrezitationswettbewerb.

Möge Allah unsere Herzen mit dem Koran und unser Leben mit seinem Licht erhellen. Âmîn.

[1] Sure Yûnus, 10:57
[2] Sure Alak, 96:1
[3] Buhârî, Fazâil al-Kur’ân, 21
[4] Tirmizî, Fazâil al-Kur’ân, 18
[5] Sure Ankabût, 29:49

Hutba: Zugehörigkeit

Verehrte Muslime!

Die Identität eines Menschen ist durch seine Familie, Herkunft und Religion bestimmt. Dasselbe gilt auch für die Gruppe, Rechtsschule oder Gemeinschaft, der er angehört. All diese Bindungen stellen im Grunde genommen eine Zugehörigkeit dar. Es ist undenkbar, die Identität von der Zugehörigkeit eines Muslims zu trennen. Auch, dass ein Muslim sich von seiner Identität und dem Zugehörigkeitsbewusstsein differenziert betrachtet, ist unmöglich. Der Islam lehnt die Identität und Zugehörigkeit eines Menschen nicht ab. Vielmehr bringt er sie in ein Gleichgewicht. Die Religion, also die religiöse Zugehörigkeit, ist maßgebend. In einem Koranvers heißt es: „Er sprach: ‚O Nûh! Er gehörte doch nicht zu deiner Familie; denn sein Benehmen war unrecht.‘“[1] Nûhs (a) Sohn gehörte also nicht zur Familie, weil er ungläubig war. Das heißt: Ohne die Einheit von Religion und Bewusstsein ist die Identität und Zugehörigkeit nicht vollständig.

Liebe Geschwister!

Erst in der Gemeinschaft kann der Glauben wahrhaftig gelebt und weitergegeben werden. Aus diesem Grund legt der Islam großen Wert auf die Gemeinschaft und das gemeinschaftliche Handeln. Allein schon die Tatsache, dass das Beten in der Gemeinschaft 27 Mal mehr belohnt wird, als alleine zu beten, zeigt die Wichtigkeit der Gemeinschaft. Eine Gemeinschaft zu sein bedeutet, Zusammenhalt und Miteinander. Es bedeutet, ein Vorbild zu sein und Fähigkeit und den Willen zu haben, einer Gemeinschaft vorzustehen. Im Koran und der Sunna wird zur Einheit der Muslime aufgerufen. Der Koranvers „Haltet allesamt an Allahs Seil fest, und zersplittert euch nicht.“[2] markiert die Einheit. Die folgende Überlieferung des Propheten ﷺ spricht über die Folgen der Trennung sowie des Vereintseins:
Wer die höchste Stufe im Paradies erreichen möchte, der soll mit der Gemeinschaft sein. Denn wer allein ist, dem nähert sich der Satan eher, als jenen, die zu mehreren sind[3]

Verehrte Muslime!

Alhamdulillâh, viele von uns sind Mitglied bei der IGMG, einer Gemeinschaft, die in zahlreichen Bereichen aktiv ist und sich für jede Altersgruppe und ihre Bedürfnisse einsetzt. In allen Städten und Ländern, in denen die IGMG vertreten ist, reichen die Tätigkeitsfelder von Moscheediensten, Bildung, religiöse Wegweisung bis hin zu humanitärer Hilfe und Bestattungsdienste. Sie bietet in vielen Bereichen großartige Dienstleistungen an, denen selbst Länder teilweise nicht nachkommen können.

Liebe Geschwister!

Damit diese Tätigkeiten und Leistungen langfristig fortgeführt werden können, ist jegliche Unterstützung der Gemeinde und unserer aufmerksamen Geschwister sehr wichtig. So hängt die erfolgreiche Fortsetzung des Koranunterrichts in den Moscheen, der 67 Hafiz-Schulen sowie der Imamausbildungsprojekte von eurer Unterstützung und eurer Mitarbeit ab.

Dass wir mehr Kindergärten, Grund- und weiterführende Schulen öffnen und die Bildung an diesen Orten besteht, gelingt nur durch die Hilfe und Unterstützung unserer Gemeinden und Geschwister.

Verehrte Muslime!

Wir möchten euch alle herzlich dazu einladen, Teil und Mitglied unserer Gemeinschaft zu sein, der diese schönen und wichtigen Tätigkeiten organisiert und ins Leben ruft. Durch eure Mitgliedschaft tragt ihr dazu bei, dass diese Aktivitäten und Leistungen dauerhaft sind und unsere Gemeinschaft mehr Mitsprache und Mitbestimmung in der hiesigen Gesellschaft hat. Zudem sollten wir auch andere dazu einladen, Mitglied zu werden. Ich möchte die Hutba mit dem folgenden Koranvers beenden: „Wer führt bessere Rede, als wer zu Allah einlädt und das Rechte tut und spricht: »Ich bin einer der Gottergebenen«?[4]

[1] Sure Hûd, 11:46
[2] Sure Âli Imrân, 3:103
[3] Tirmizî, Sunan, 8/69, Hadith Nr. 2091
[4] Sure Fussilat, 41:33

Kopftuch-Urteil ist eine Chance

„Die Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts ist eine Chance, die Kopftuchdebatte auf eine sachliche und konstruktive Ebene zu bringen. Dies gilt sowohl für die öffentliche Debatte als auch für den innermuslimischen Diskurs“, erklärt Bekir Altaş, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Anlass ist das Urteil des Bundesarbeitsgerichts, wonach das Berliner „Neutralitätsgesetz“ verfassungswidrig ist und Frauen mit Kopftuch diskriminiert. Bekir Altaş weiter:

„Kopftuchverbote haben noch nie überzeugt. Das hat auch das Bundesarbeitsgericht erkannt und dem Berliner ‚Neutralitätsgesetz‘ Verfassungswidrigkeit attestiert. Wir sind sehr froh und erleichtert über diese Entscheidung. Denn das Gesetz hat de facto nur gebildete muslimische Frauen diskriminiert, die ein Kopftuch tragen und höhere Positionen anstreben; im vorliegenden Fall die Position einer Lehrerin. Sog. Kopftuchgegner haben sich demgegenüber noch nie beschwert, wenn dieselbe Frau in demselben Klassenzimmer als Putzfrau tätig war. Diesem ohnehin haarsträubenden Widerspruch die Krone aufgesetzt haben die ‚Kritiker‘ dann noch mit der Behauptung, sie kämpften gegen Unterdrückung der muslimischen Frau. Gut, dass dieses Heucheln ein stückweit entlarvt wurde.

Bewusst oder unbewusst waren Kopftuchverbote auch unter Muslimen jenen Kreisen Wasser auf die Mühlen, die gegen die Selbstständigkeit der Frauen sind; solchen, die aus vermeintlich traditionellen Vorstellungen heraus nicht wollen, dass Frauen arbeiten, Karriere anstreben, sondern zu Hause bleiben. Auch deshalb begrüßen wir die Entscheidung des BAG ausdrücklich. Sie stärkt Frauen, die ein Kopftuch tragen, nicht nur gegenüber ihren üblichen ‚Kritikern‘ und in der Öffentlichkeit, sondern auch gegenüber veralteten Vorstellungen innerhalb der muslimischen Communitys.

Auch vor diesem Hintergrund müssen wir dringend verbal abrüsten und die inzwischen 20 Jahre andauernde Debatte versachlichen. Zurückblickend erkennt man deutlich, dass das Kopftuch durch die Art und Weise wie öffentlich darüber diskutiert wurde, nicht nur innerhalb religionskritischer Kreise zu einer Bedeutungsüberhöhung geführt hat. Das andauernde populistische Einpeitschen auf das Kopftuch hat auch innerhalb religionsnaher Kreise zu Automatismen, Reflexen und einer Abwehrhaltung geführt, die eine sachliche Auseinandersetzung sowohl in der Öffentlichkeit als auch innerhalb der muslimischen Community fast unmöglich gemacht haben.

Die Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts ist eine Chance, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Die Richter haben mit der Absage an das Verbot den Grundstein für einen neuen Dialog gelegt. Jetzt müssen wir darauf aufbauen und vorankommen, um weiteren Schaden abzuwenden – auch und gerade im Hinblick auf schwierige und kontroverse Themen innerhalb der muslimischen Community.

Wir können es uns nicht erlauben, dass Musliminnen und Muslime, die inzwischen in dritter, vierter Generation in Deutschland leben und hier geboren und sozialisiert wurden, deutsche Staatsbürgerinnen und -bürger sind und sich nicht akzeptiert fühlen in ihrem eigenen Land, weil öffentlichkeitswirksame Stimmen über das Kopftuch eine allgemeine feindselige Stimmung gegen sie erzeugen, die zu Diskriminierungen in nahezu allen Lebensbereichen und sogar zu tätlichen Übergriffen führt.“

25 Jahre Srebrenica – Die Schande dauert an

„Die Erinnerungen an Srebrenica sind geprägt von Unrecht und unendlichem Leid, die bis heute andauern“, so der Vorsitzende der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), Kemal Ergün, anlässlich des 25. Jahrestages des Massakers von Srebrenica. Ergün weiter:

„Die Erinnerungen an das Massaker von Srebrenica sind geprägt von einem Verbrechen, der einen Tiefpunkt unserer Zeit zeichnet; sie sind geprägt von Unrecht und unendlichem Leid. Alle unsere Gedanken sind bei all jenen Menschen, denen Leid zugefügt wurde. Möge Allah den Seelen der verstobenen gnädig sein und ihren Hinterbliebenen weiterhin Kraft und Geduld geben.

Die Schande von Srebrenica hat nicht geendet vor 25 Jahren. Sie dauert an, weil viele Verbrecher nach wie vor nicht ihrer gerechten Strafe zugeführt wurden, viele nicht einmal zur Verantwortung gezogen wurden. Sie dauert an, weil heute noch Menschen auf der Suche nach den Überesten ihrer Kinder, Ehefrauen und Ehemänner sind, um sie bestatten zu können – und immer noch neue Gräber mit sterblichen Überresten von Ermordeten entdeckt werden.

Die Schande von Srebrenica dauert aber auch deshalb an, weil allen voran Europa offensichtlich nicht in der Lage ist – vielleicht auch nicht willens -, eine gebührende Erinnerungskultur an diesen Völkermord zu etablieren. Ein Völkermord, der sich gerade erst 25 Jahren vor den Augen der Vereinten Nationen und der Weltöffentlichkeit mitten in Europa vollzogen hat und zum Inbegriff für das kollektive Versagen geworden ist. Leider findet sie zu wenig Beachtung.

Es wäre das Mindeste, sich mit Nachdruck um Versöhnung zu bemühen, sich der eigenen Verantwortung an diesen Verbrechen immer wieder bewusst zu werden, die Erinnerung daran wachzuhalten – mit gebührender Demut und als Mahnung für die Zukunft.“

Kurban spenden, bewusst teilen

Verehrte Muslime!

Unser Lebensziel ist es, das Wohlgefallen Allahs zu erlangen und ihm nahe zu sein. Unsere Ibâdas sind ein Mittel hierzu. Eine dieser Ibâdas ist der Kurban, was wörtlich „sich nähern“ bedeutet. Im Koran heißt es, dass Allah uns Menschen näher ist als unsere Halsschlagader. Wir Menschen müssen jedoch nach Mitteln und Wegen suchen, um Allah nahe zu kommen. Der Kurban ist einer dieser Wege. In einem Koranvers heißt es: „Weder ihr Fleisch noch ihr Blut erreicht Allah, jedoch erreicht ihn eure Frömmigkeit.“[1]

Die Prüfung des Propheten Ibrâhîm (a) bestand darin, dass er seinen Sohn Ismâîl (a) als Opfer darbringen sollte. Er akzeptierte den göttlichen Willen und war bereit dazu, seinen einzigen Sohn zu opfern. Gleichzeitig bestand sein Sohn Ismâîl (a) eine Prüfung, indem er sich Allah hingab. Beide wurden dafür mit dem Beinamen Halîlullâh, also „Freund Allahs“, ausgezeichnet, über die es im Koran heißt: „Wisset, dass über Allahs Freunde keine Furcht kommt und dass sie nicht traurig sein werden. Diejenigen, welche glauben und gottesfürchtig sind, ihnen gilt die frohe Botschaft im irdischen Leben und im Jenseits. Allahs Verheißungen sind unabänderlich. Das ist die große Glückseligkeit!“[2]

Liebe Geschwister!

Kurban bedeutet, zu teilen und Allah näher zu kommen. Denn das Teilen mit Armen und Bedürftigen ist eine wichtige Tugend im Islam.
Sie ist so wichtig, dass wer keinen materiellen Besitz zum Teilen hat, durch das freundliche Grüßen seiner Mitmenschen oder ein Lächeln an dieser Tugend teilhaben kann. Unser Prophet hat die Muslime stets dazu ermutigt. In folgendem Hadith erfahren wir, welche Weisheit hinter dem Kurban steckt: „Eines Tages fragte der Prophet seine Ehefrau Aischa (r), was von der Opfergabe übriggeblieben sei. Aischa (r) antwortete, dass sie die gesamte Opfergabe gespendet habe und nur ein Schulterblatt übriggeblieben sei. Daraufhin sagte der Prophet: „Nein, ganz im Gegenteil. Außer dem Schulterblatt ist alles übriggeblieben.“[3]

Nicht das Sichtbare, also das Fleisch und Blut, sondern die Gottesfurcht, also Takwâ, wird beim Kurban Allah dargeboten. Den Kurban mit den Bedürftigen zu teilen, ist Teil der Gottesfurcht und an sich bereits eine Ibâda. Das Teilen stärkt die Geschwisterlichkeit unter den Muslimen und bringt dem Spender Freude und die Duâs der Empfänger.

Verehrte Muslime!

Die Hasene Kurban-Kampagne mit dem Motto „Kurban spenden, bewusst teilen“ erreicht weltweit Millionen Bedürftige in Dutzenden Ländern. Auch wir können spenden und damit Armen, Bedürftigen, Waisen und notleidenden Menschen weltweit unsere helfende Hand reichen. Vergessen wir nicht, dass es ein Ausdruck von Geschwisterlichkeit ist, das zu teilen, was wir besitzen. Möge Allah unseren Geschwistern helfen und uns alle beschützen. Âmîn.

[1] Sure Hadsch, 22:37
[2] Sure Yûnus, 10:62-64
[3] Tirmizî, Sifat al-Kiyâma, Hadith Nr. 2658

Hutba: Die Rechte unserer Kinder

Verehrte Muslime!

Unsere Kinder sind ein Segen für uns. Wer diese göttliche Gabe nicht als Segen erkennt oder sie ignoriert, wird eine große Enttäuschung erleben. Gleichzeitig sind Allahs Gaben auch eine Prüfung. Wer sie besteht, wird sowohl im Diesseits als auch im Jenseits Glückseligkeit erlangen. Im Koran heißt es: „Und wisset, dass euer Besitz und eure Kinder nur eine Prüfung sind, aber großer Lohn bei Allah ist.“[1] Wer das erkannt hat, wird sich bemühen, um diesen Lohn zu erhalten.

Liebe Geschwister!

Mimbar Deckenleuchten

Als Eltern haben wir bestimmte Rechte und Pflichten gegenüber unseren Kindern. Wir sorgen für ihren Halal-Lebensunterhalt, wir ernähren und kleiden sie anständig. Dabei ist wichtig, dass wir in diesen Dingen genauso sensibel sind wie bei uns selbst. Denn Allah wird uns auch in diesen Angelegenheiten zur Rechenschafft ziehen. Im Koran heißt es: „An diesem Tage werdet ihr dann gefragt werden, was ihr aus den Gaben des Lebens gemacht habt.“[2]

Außerdem sind wir auch verantwortlich für die Erziehung unserer Kinder. Unser Prophet sagte: „Das wertvollste Geschenk, das ein Vater seinem Kind machen kann, ist eine gute Erziehung.“[3]

Verehrte Muslime!

Unsere Kinder haben also das Recht auf einen angemessenen Lebensunterhalt und eine gute Erziehung. So können wir gewährleisten, dass sie als Muslime heranwachsen. Dazu gehört auch, dass wir ihnen schon in jungen Jahren den Glauben an Allah vermitteln und sie dabei unterstützen, Gutes zu tun, Schlechtes zu vermeiden und Takwâ zu erlangen. Auch ist es wichtig, dass sie sich als wertvollen Teil der muslimischen Gemeinschaft verstehen und ihren Beitrag dazu leisten.

Liebe Geschwister!

Um all das unseren Kindern in bester Weise zu vermitteln, ist es notwendig, dass wir selbst als Teil der Gemeinschaft und der Moscheen aktiv sind. Die Moschee, in der wir uns gerade befinden, bietet uns eine Möglichkeit dazu.

Zum Beispiel ist es wichtig, dass unsere Kinder am Islam- und Koranunterricht in der Moschee teilnehmen. Auch wenn uns das manchmal schwerfällt, weil etwa der Weg zur Moschee zu weit ist, müssen wir diese Angelegenheit ernst nehmen, damit unsere Kinder eine gute islamische Erziehung erhalten. Wenn wir das schaffen, wird Allah mit unseren Kindern und uns zufrieden sein – inschallah.

[1] Sure Anfâl, 8:28
[2] Sure Takâsur, 102:8
[3] Tirmizî, Bir, 33

Hutba: Die Familie schätzen

Verehrte Muslime!

Im Koran heißt es: „Zu seinen Zeichen gehört auch, dass er euch Partner aus euch selbst schuf, damit ihr bei ihnen ruht. Und er hat zwischen euch Liebe und Barmherzigkeit gesetzt. Darin sind gewiss Zeichen für nachdenkliche Leute.“[1] Um ein friedliches und glückliches Familienleben zu führen bedarf es gegenseitige Liebe und Barmherzigkeit. Fehlt diese, kommt es leider oft zu Scheidungen. Die Scheidung eines Ehepaares wird – sofern keine schwerwiegenden Gründe vorliegen – im Islam nicht gern gesehen.

Unser Prophet ﷺ sagte: „Von den erlaubten Sachen ist die Scheidung die am meisten verachtete bei Allah.“[2] Wer heiraten möchte, dem rät er Folgendes: „Heiratet, aber scheidet euch nicht. Allah liebt keine Männer und Frauen, die zum Vergnügen heiraten und sich wieder scheiden lassen.“[3]

Liebe Geschwister!

Unsere Religion fordert Verheiratete dazu auf, gut mit ihren Partnern umzugehen. Sie sollen sich auf deren gute Seiten konzentrieren, anstatt auf ihre Schwächen zu blicken. Selbst wenn sie eine Schwäche bei ihren Partnern erkennen, könnte diese etwas Gutes mit sich bringen. Im Koran heißt es: „Geht in rechtlicher Weise mit ihnen (euren Ehegattinnen) um. Wenn sie euch zuwider sind, so ist euch vielleicht etwas zuwider, während Allah viel Gutes in es hineinlegt.“[4]

Die Familie ist der Grundstein einer Gesellschaft. Oft spielen Werteverlust, Kulturunterschiede, Egoismus, Respektlosigkeit sowie Verantwortungslosigkeit eine große Rolle, wenn es zur Scheidung kommt.
Manchmal sind es auch finanzielle Engpässe, häusliche Gewalt, fehlende familiäre Kommunikation sowie eine Neigung zu Luxus und Verschwendung, die negativ auf den Familienfrieden wirken. Gleichzeitig werden Ehe und Familie besonders durch die Medien als altmodisch dargestellt. Besonders Filme und Serien werben geradezu für Scheidung und Untreue, Menschen werden geradezu zu Scheidung und Partnerlosigkeit ermutigt.

Verehrte Muslime!

Im Interesse einer intakten Gesellschaft ist es wichtig, das Ehe- und Familienkonzept auf eine stabile Grundlage zu stellen. Für eine gute Ehe ist neben der Bildung der Ehepartner auch gegenseitiges Verständnis und Opferbereitschaft erforderlich. Jeder Muslim sollte wissen, was das Ehe- und Familienleben aus islamischer Sicht mit sich bringen. Dieses Wissen sollte genauso wie Kenntnisse über das Gebet, die Gebetswaschung und das Fasten verinnerlicht werden. Die Scheidung der Eltern schlägt bei vielen Kindern tiefe Wunden, die eine Gesellschaft nur schwer heilen kann.

Liebe Geschwister!

Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Ehepartner, die wir im Namen Allahs geheiratet haben, und unsere Kinder, die uns anvertraut wurden, ein großer Segen für uns sind.  Es ist unsere Aufgabe, uns mit unseren Ehepartnern und Kindern zusammenzuschließen und diesen Segen gemeinsam zu pflegen und wertzuschätzen. Ich möchte die Hutba mit einem Duâ aus dem Koran beenden: „O unser Erhalter! Gib uns an unseren Frauen und Nachkommen einen Anlass zur Freude und mache uns zu Vorbildern für die Gottesfürchtigen!“[5]

Möge Allah unsere Umma und unsere Gemeinschaft vor familiärer Trennung und Zwietracht schützen. Möge die Einheit in unserem Eheleben fortbestehen. Âmîn

[1] Sure Rûm, 30:21
[2] Abû Dâwûd, Talâk, 3
[3] Musnad Bazzâr, 8/70, Hadith Nr. 3064
[4] Sure Nisâ, 4:19
[5] Sure Furkân, 25:74

Hutba: Ibâda und Ubûdiyya – Gottesdienst und Dienerschaft

Verehrte Muslime!

Der Mensch ist das einzige Geschöpf, das sich mit dem Sinn seiner irdischen Existenz beschäftigt und nach Antworten sucht. Dieses Bemühen macht ihn zu etwas Besonderem. Im Koran heißt es dazu: „Die Dschinn und die Menschen habe ich nur dazu erschaffen, dass sie mir dienen.“[1]

Liebe Geschwister!

Im Islam haben die Begriffe „Ibâda“ und „Ubudiyya“, also Gottesdienst und Dienerschaft, eine wichtige Bedeutung. „Dienerschaft“ bedeutet hier, dass der Mensch sich seiner Bedürftigkeit gegenüber dem Schöpfer stets bewusst ist. Während für die gottesdienstlichen Handlungen bestimmte Zeiten vorgesehen sind, ist Ubûdiyya ein Zustand, der das gesamte irdische Leben über andauert. Für einen gläubigen Muslim bilden Ibâda und Ubûdiyya eine untrennbare Einheit. Im Koran heißt es: „O ihr, die ihr glaubt! Beugt euch und werft euch nieder und dient eurem Erhalter und tut Gutes, damit es euch wohl ergeht.“[2]

Verehrte Muslime!

Der Prophetengefährte Muâz bin Dschabal (r) berichtet: „Ich ritt auf einem Esel hinter dem Propheten, als er mich fragte: „O Muâz! Weißt du, welches Recht Allah gegenüber seinem Diener hat und welches Recht seine Diener gegenüber Allah haben?“ Ich sagte: „Allah und sein Gesandter wissen es besser.”
 Er sagte: „Allahs Recht ist, dass sie ihn allein anbeten sollen und ihm nichts beigesellen; und das Recht der Diener ist, dass er diejenigen, die ihm nichts beigesellen, nicht strafen soll.“[3] Daraus geht hervor, dass nur Allah Ubûdiyya, also Dienerschaft, gebührt, wie wir es in jedem Gebet in der Sure Fâtiha bezeugen: Nur ihm allein dienen und ihn allein beten wir an. Die Dienerschaft gegenüber dem „Mâlik-al-Mulk“, also dem Eigentümer aller Reichtümer, gibt dem Menschen wahre Freiheit, denn sie befreit ihn von der Abhängigkeit von allem anderen.

Liebe Geschwister!

Unsere Dienerschaft gegenüber Allah wird uns sowohl im Diesseits als auch im Jenseits Ehre und Würde verleihen. Ein wahrhaftig gläubiger Muslim, der in seinem Îmân gegenüber Allah aufrichtig ist, wird die Ibâdas niemals als eine Last sehen. Im Gegenteil: Er wird ihn mit Pflichtbewusstsein, Liebe und Begeisterung erfüllen. Die Aussage des Propheten „Das Gebet ist für mich Augentrost“[4] drückt die Freude aus, die er dabei erlebt.

Möge Allah uns ein Bewusstsein für die Dienerschaft und wahre Freude an den Ibâdas zuteilwerden lassen. Mögen wir zu jenen gehören, die ihm mit Liebe und Begeisterung dienen. Âmîn.

[1] Sure Zâriyât, 51:56
[2] Sure Hadsch, 22:77
[3] Buhârî, Dschihad, 46; Muslim, Îmân, 48
[4] Nasâî, Ischat an-Nisâ, 1

Hutba: Hidschab

Verehrte Muslime!

In Sure Tîn heißt es, dass Allah den Menschen in schönster Gestalt erschaffen hat. Mit Gestalt ist auch das Äußere gemeint, um das sich wir Mensch zu kümmern haben, genauso wie wir Verantwortung für unsere Handlungen tragen. Auch soll der Mensch nach innerer Schönheit streben. Diese Schönheit der Seele und des Herzens unterscheidet uns von allen anderen Geschöpfen.

Liebe Geschwister!

Zu den Dingen, die den Charakter eines Menschen verschönern, gehören Anstand und maßvolles Verhalten, sei es beim Essen und Trinken oder in anderen Lebensbereichen wie der Sexualität. Wer seine Triebe und sein körperliches Verlangen unter Kontrolle hat, der kann einen Zustand des reinen Herzens erreichen. Unser Prophet sagte: „Wer mir verspricht, seine Zunge und seine niederen Bedürfnisse zu hüten, dem verspreche ich meine Bürgschaft für das Paradies.“[1] Anstand ist außerdem mit Hayâ, also der Schamhaftigkeit, verbunden. Diese hängt wiederum mit dem Îmân zusammen. In einem Hadith heißt es: „Jede Religion hat einen eigenen Charakter. Der Charakter des Islams ist die Schamhaftigkeit.“[2]

Verehrte Muslime!

Unsere Umgebung hinterlässt gute aber auch schlechte Eindrücke in unserer Seele. Wenn wir uns vor diesen Eindrücken nicht schützen, verfallen wir innerlich.
Der Hidschâb, also die Bedeckung, ist eine der stärksten Maßnahmen, um unsere Reinheit zu bewahren. Allah spricht diesbezüglich im Koran Männer und Frauen gleichermaßen an: „Sage den gläubigen Männern, dass sie ihre Blicke senken und ihre Keuschheit wahren sollen. Das ist geziemender für sie. Siehe, Allah kennt ihr Tun. Und sage den gläubigen Frauen, dass sie ihre Blicke senken und ihre Keuschheit wahren und ihre Reize nicht zur Schau stellen sollen, außer was (anständigerweise) sichtbar ist.“[3]

Liebe Geschwister!

Nicht das Geschlecht, sondern die Menschlichkeit und der Charakter machen einen Menschen aus. Der Hidschâb betont das, indem er das Geschlecht in den Hintergrund rückt und damit die Persönlichkeit hervorhebt. Im Koran heißt es: „O ihr Kinder Adams! Wir gaben euch Kleidung, eure Blöße zu bedecken, und als Prunkgewänder. Aber das Kleid der Gottesfurcht/Takwâ ist besser. Dies ist eines der Zeichen Allahs, auf dass sie sich ermahnen lasse.“[4]

Als Muslime bemühen wir uns darum, gottesfürchtig zu sein und die Gebote Allahs zu befolgen. Mögen Allah uns zu jenen zählen, die Anstand und Reinheit besitzen, dem Gebot des Hidschâbs wahrhaftig folgen und das „Kleid der Gottesfurcht“ tragen.

[1] Buhârî, Ḥudûd, 19, Hadith Nr. 6807
[2] Mâlik, Muwaṭṭa, Ḥusn al-Huluk, 9
[3] Sure Nûr, 24:30-31
[4] Sure A’râf, 7:26